Gastvortrag an der German International School Washington D.C.

Zeitreise mit 100 Schülerinnen und Schülern in Potomac, Maryland (USA).

Die Bundeskanzler-Helmut-Kohl-Stiftung besuchte zum ersten Mal eine Schule in den Vereinigten Staaten. Laura Walker, Fachschaftsvorsitzende für Geschichte (bilingual) und US History an der German International School Washington D.C. lud die Stiftung mit ihrem neuen Programm „Partners in Leadership“ an den Campus der deutschen Auslandsschule nach Maryland. 100 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 10, 11 und 12 schauten mit uns auf die spannende Geschichte von der deutschen Teilung zur Einheit zurück und diskutierten die transatlantischen Beziehungen in der Ära Kohl.

Die multi-mediale Zeitreise startete Benjamin Haase, unser Referent für Jugendbildung, mit einem historischen Abriss der Jahre nach 1945, in denen viele Leitlinien des Denkens und Handelns von Helmut Kohl entstanden sind. Auch die Freundschaft mit den Amerikanern: „Ich werde nie vergessen, wie uns die Amerikaner nach dem Krieg, als wir halb verhungert waren, geholfen haben.“ Helmut Kohl ist der letzte Bundeskanzler, der den Schrecken des Krieges noch unmittelbar selbst erlebt hat. Als seine Familie die Nachricht erhielt, dass sein vier Jahre älterer Bruder bei einem Tieffliegerangriff ums Leben gekommen ist, war Helmut Kohl 15 Jahre alt – ein einschneidendes Erlebnis, auf das er auch in seinem politischen Leben immer wieder Bezug nahm.

Multi-medial, mit vielen historischen Aufnahmen und Videoclips, hielten die Jugendlichen in Washington Rückschau auf wichtige Ereignisse in den Anfangsjahren der Teilung wie die Luftbrücke während der Berlin-Blockade 1948, die Gründung der Bundesrepublik und der DDR 1949 oder den Besuch von US-Präsident John F. Kennedy in West-Berlin 1963. Die Schülerinnen und Schüler informierten sich über den Alltag in der Zeit der Teilung und prominente Fluchtversuche.

Im zweiten Teil des Vortrags von Benjamin Haase ging es um die transatlantischen Beziehungen in den 1980er und 90er Jahren und Helmut Kohls Verhältnis zu den US-amerikanischen Präsidenten. Sein Festhalten am NATO-Doppelbeschluss 1983 trotz aller Widerstände stärkte das westliche Bündnis – und seine Beziehung zu US-Präsident Ronald Reagan. Dieser hielt am 12. Juni 1987 vor dem Brandenburger Tor im Beisein von Helmut Kohl die wohl berühmteste Rede seiner Amtszeit: „Mr Gorbatschow, open this gate. Tear down this wall!“. Im Januar 1989 wurde George H. W. Bush als Präsident der USA vereidigt, „für die Deutschen und für mich ein Glücksfall“ (Helmut Kohl). Bush befürwortete und unterstützte die Wiedervereinigung und ein geeintes Europa in einer Zeit statt, in der die politischen Verhältnisse in Osteuropa und der DDR sich zu wandeln begannen.

Aufmerksam verfolgten die Schülerinnen und Schüler die Passage der Lehreinheit, die sich um Reaktionen der Siegermächte auf den Mauerfall am 9. November 1989 und ihr Verhalten im Wiedervereinigungsprozess drehte. Auch zu Bill Clinton, der 1992 die Wahl gegen George Bush gewann, konnte Helmut Kohl durch persönliche Diplomatie ein belastbares Verhältnis aufbauen. Bereits in dieser Phase waren die deutsch-amerikanischen Beziehungen nicht zuletzt von der Frage bestimmt, wieviel Verantwortung das vereinte Deutschland übernehmen könnte und sollte.

Nach der Zeitreise im Kinoformat ging es in den Austausch: Wie sah das Leben für Kinder und Jugendliche in der DDR aus? Warum hatten so viele Staats- und Regierungschefs Vorbehalte gegenüber einer deutschen Wiedervereinigung? Was lässt sich aus der Regierungszeit Helmut Kohls für die transatlantischen Beziehungen von heute lernen? Mit dem zeitlichen Bezug zum 3. Oktober bewegten die Jugendlichen vor allem die Ereignisse 1989/90: Wie es durch eine historische Konstellation von Personen und Ereignissen nach der Friedlichen Revolution gelang, die 40 Jahre währende Teilung zu überwinden und Deutschland wiederzuvereinigen.