Vor 30 Jahren: Helmut Kohl eröffnet das Heinz Nixdorf MuseumsForum

Zur Eröffnung des Heinz Nixdorf MuseumsForums in Paderborn, des heute weltweit größten Computermuseums, fragt Helmut Kohl am 24. Oktober 1996, wie sich der der Wandel zur Informationsgesellschft menschlich gestalten lässt.

 

Zur Eröffnung des Heinz Nixdorf MuseumsForums in Paderborn fragt Bundeskanzler Helmut Kohl im Oktober 1996, wie sich der der Wandel zur Informationsgesellschaft menschlich gestalten lässt. Zwischen Ausbildung, Medienkompetenz und der Freiheit des Informationsaustauschs benennt er Risiken, betont aber vor allem die Chancen: Wer die Möglichkeiten der neuen Technologien nicht ausschöpfe, werde im Weltmaßstab zurückfallen.

Ein Museum zwischen Vergangenheit und Zukunft

Am 24. Oktober 1996 hält Bundeskanzler Helmut Kohl die Eröffnungsrede des neuen Heinz Nixdorf MuseumsForums in Paderborn. Das nach dem 1986 verstorbenen Computerpionier benannte Haus zeigt auf 6.000 Quadratmetern 5.000 Jahre Geschichte der Informations- und Kommunikationstechnik, von der Schrift in Mesopotamien bis zu Internet, künstlicher Intelligenz und Robotik. Kohl hebt hervor, dass die Ausstellung Zukunftstechnologien aus ihrer historischen Entwicklung heraus verständlich macht. Wer Menschen für das Neue gewinnen wolle, dürfe die Experten mit ihren Fachbegriffen nicht unter sich lassen.

Chancen und Risiken: Ein Wandel, der schneller ist als gedacht

Der Wandel zur Informationsgesellschaft, so Kohl, schreite in vielen Bereichen schneller voran, als es vielen bewusst sei. Weltweit würden bereits mehr Personal Computer verkauft als Autos – eine Entwicklung, die noch wenige Jahre zuvor undenkbar gewesen wäre. Die Informationstechnik und die Medien zählten zu den größten Wirtschaftszweigen; allein in Deutschland liege der Umsatz bereits bei über 380 Milliarden D-Mark. Zugleich warnt der Kanzler davor, sich der Verantwortung zu entziehen. Kritische Distanz hält er für legitim: Ein Jahrhundert, das so viel Not und Leid hervorgebracht habe, fördere zwangsläufig auch Skepsis. Nicht alles, was wissenschaftlich machbar sei, sei auch ethisch erlaubt.

Arbeit, Bildung und Menschlichkeit

Breiten Raum nehmen in seiner Rede Arbeit, Ausbildung und gesellschaftliches Miteinander ein. Kohl verweist auf Heinz Nixdorf, in dessen Unternehmen jeder zehnte Arbeitsplatz ein Ausbildungsplatz gewesen sei, und fordert, weiterhin mehr Ausbildungsplätze zu schaffen. Die Bundesregierung unterstütze die Initiative „Schulen ans Netz“, die gemeinsam mit der Telekom 10.000 deutsche Schulen an Datennetze anschließen sollte. Zugleich warnt er davor, Menschen an den Rand zu drängen, die den Normen von Schnelligkeit und Anpassungsfähigkeit nicht genügen. Technik müsse anwenderfreundlich sein, auch für ältere Menschen, und die Gesellschaft dürfe nicht den Preis von immer weniger Wärme im Umgang miteinander zahlen. Die Lesekultur dürfe in der Computerwelt auf keinen Fall verloren gehen. Auch der Computer habe einen Knopf zum Ausschalten; der verantwortungsvolle Umgang mit neuen Medien verlange Urteilsvermögen und Wertmaßstäbe.

Chance für mehr Freiheit

Mit Gedanken zur politischen Wirkung des freien Meinungsaustauschs schließt Kohls Rede. Totalitäre Herrschaft beruhe auf dem Monopol über Informationen. Ein Staat, der wirtschaftlich und technologisch mithalten wolle, könne es sich nicht leisten, seinen Bürgern Informationen vorzuenthalten. Der freie Austausch von Informationen und Meinungen sei für autoritäre und diktatorische Regime eine Gefahr. Zugleich sei er in liberalen Gesellschaften die Grundlage von Freiheit und Demokratie und entspreche einem Menschenbild, in dem der Einzelne in eigener Verantwortung über sich selbst bestimmt.