Vor 35 Jahren: Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zu den baltischen Staaten

Estland und Lettland erklären am 21. August 1991 ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion ebenso wie kurz vorher Litauen. Am 28. August nimmt Deutschland die diplomatichen Beziehungen zu den drei Staaten wieder auf.

 

Estland und Lettland erklären am 21. August 1991 ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion ebenso wie kurz vorher Litauen. Zwar erkennt Moskau diesen Schritt drei Tage später an, doch die Lage bleibt angespannt. Schnelles und gleichzeitig besonnenes Handeln ist gefragt. Manche Fragen von damals stellen sich auch heute wieder.

Europas Landkarte kommt in Bewegung

Bereits am 28. August nimmt Deutschland die diplomatischen Beziehungen zu den baltischen Staaten wieder auf. Helmut Kohl spricht bei der Unterzeichnungszeremonie von einem „großen Augenblick der Geschichte“. Er empfängt noch am gleichen Tag die Außenminister der jungen Republiken im Bundeskanzleramt. Für Kohl ist der Moment mehr als ein diplomatischer Akt. Er erinnert an die aus der Geschichte erwachsene deutsche Verantwortung und daran, dass die baltischen Republiken nach dem Hitler-Stalin-Pakt zwangsannektiert worden waren. Deutschland wolle, so Kohl, die drei Staaten auf dem Weg in die Freiheit und beim Aufbau der Demokratie unterstützen – wirtschaftlich, politisch und kulturell. Auch eine engere Anbindung an die damalige Europäische Gemeinschaft stehe damit bereits im Raum: Kohl fordert, „die Bundesrepublik Deutschland und ihre Partner in der Europäischen Gemeinschaft sollten mit den baltischen Staaten, wenn diese das wünschen, Verhandlungen über Assoziierungsverträge aufnehmen.“

Von der Unabhängigkeit in die europäische Gemeinschaft

Was 1991 als vorsichtige Annäherung beginnt, entwickelt sich in den folgenden Jahrzehnten zu einer europäischen Partnerschaft. Estland, Lettland und Litauen werden Mitglieder der Europäischen Union und der NATO. Die Staaten, die 1991 ihre wiedergewonnene Souveränität sichern mussten, werden Partner in der europäischen und transatlantischen Sicherheitsordnung. 

Manche Fragen von damals sind auch heute wieder relevant. So warnt Kohl in der Kabinettssitzung am 28. August vor den unkalkulierbaren Folgen eines vollständigen Zerfalls der Sowjetunion, vor Grenzkonflikten und der Gefahr, dass neue Staaten über erhebliche Streitkräfte und Atomwaffen verfügen könnten. Gleichzeitig setzt er auf Verhandlungen, auf wirtschaftliche Zusammenarbeit und auf eine europäische Friedensordnung. 

1991 standen Kohl, Genscher und die drei baltischen Außenminister für den Aufbruch nach dem Ende des Kalten Krieges. 35 Jahre später stehen Deutschland und die baltischen Staaten gemeinsam vor der Aufgabe, die europäische Friedens- und Sicherheitsordnung zu verteidigen.