Am Ostermontag 1991 ermordet ein Heckenschütze Detlev Karsten Rohwedder in seinem Düsseldorfer Privathaus. Einer von drei Schüssen durch das Wohnzimmerfenster trifft den Vorsitzenden der Treuhandanstalt in den Rücken. Er ist sofort tot. Auch seine Frau Hergard Rohwedder wird durch eine Kugel schwer verletzt. Die Polizei findet ein Bekennerschreiben der linksterroristischen Roten Armee Fraktion (RAF). Bis heute bleibt der Mord unaufgeklärt.
Das Attentat auf den Treuhandvorsitzenden erschüttert das politische Bonn. Anteilnahme und Trauer sind groß. Bundespräsident Richard von Weizsäcker, Bundeskanzler Helmut Kohl, die Bundesminister Wolfgang Schäuble (BMI) und Theo Waigel (BMF) würdigen Rohwedders Verdienste im Einigungsprozess. Zu Ehren des Ermordeten findet wenige Tage später im Berliner Schauspielhaus ein Staatsakt statt.
Die Übernahme seiner gesamtstaatlichen Aufgabe bringt Detlev Karsten Rohwedder in das Fadenkreuz des RAF-Terrors. Im Sommer 1990 bittet ihn die erste frei gewählte Regierung der DDR, den Vorsitz der Treuhandanstalt zu übernehmen. Gegründet noch vom SED-geführten DDR-Ministerrat basiert sie mittlerweile auf dem Treuhandgesetz der demokratisch legitimierten Volkskammer. Die DDR-Planwirtschaft sollte zur Sozialen Marktwirtschaft nach westdeutschem Modell umgebaut werden – eine gewaltige Herausforderung. Der mehrfach ausgezeichnete „Manager des Jahres“ sagt zu. Er gilt als Idealbesetzung – ein erfahrener Fachmann und erfolgreicher Sanierer des Hoesch-Stahlkonzerns. Energisch setzt sich der überzeugte Sozialdemokrat für eine verantwortungsvolle Umwandlung und Sanierung der ehemaligen Ostbetriebe ein. Nach und nach tritt schließlich das Ausmaß der wirtschaftlichen Probleme zu Tage. Damit wächst auch die Kritik an der Treuhandanstalt und an ihrem Chef. Diesen Umstand meinen sich die Terroristen zunutze machen zu können.
Bundeskanzler Helmut Kohl geht das Attentat sehr nahe. Er verliert mit Detlev Karsten Rohwedder einen wertvollen Ratgeber, dem er, wie er sagt, viel zu verdanken habe. Stets habe dieser mutige Mann das Wohl des Ganzen im Blick gehabt. Rohwedder sei ein Patriot, so Kohl weiter, der sich durch die Wiedervereinigung persönlich in die Pflicht genommen fühlte. Mit unermüdlicher Tatkraft, herausragendem Sachverstand, großer Autorität und im Bewusstsein seiner hohen Verantwortung für die Menschen habe er sich um den wirtschaftlichen Neuaufbau in den neuen Ländern verdient gemacht. Gleichzeitig lässt Kohl keinen Zweifel daran, dass das von Rohwedder begonnene Werk unbeirrt fortgesetzt werde. Ziel sei es, in den kommenden Jahren die Lebensverhältnisse in den neuen Bundesländern nachhaltig zu verbessern, um so nach der staatlichen auch die innere Einheit Deutschlands zu vollenden.
Die Nachfolge Detlev Karsten Rohwedders tritt seine Stellvertreterin Birgit Breuel an. Gleich zu Beginn ihrer Amtsübernahme verspricht sie, das Andenken Rohwedders aufrechtzuerhalten. „Mit dem, was Herr Rohwedder uns vorgegeben hat, was er in einer sehr kurzen Zeit an einzigartiger Leistung erbracht hat, versuchen wir in seinem Sinne weiterzuarbeiten. Wir sind da ganz entschlossen – trotz aller Schmerzen, trotz alles Kummers, trotz wirklich auch vieler persönlicher Verzweiflung –, weil wir glauben, dass wir so seinem Anliegen am besten gerecht werden würden.“ Zu seinen Ehren trägt der geschichtsträchtige Bürobau in der Berliner Wilhelmstraße und heutige Sitz des Bundesfinanzministeriums seit 1992 den Namen "Detlev-Rohwedder-Haus".