Vor 30 Jahren: Nelson Mandela besucht Deutschland

Dem südafrikanischen Staatspräsidenten schlägt bei seinem Besuch in Deutschland große Sympathie entgegen. Auf dem Programm stehen ein Empfang beim Bundespräsidenten, eine Rede vor dem Deutschen Bundestag sowie Gespräche mit Bundeskanzler Helmut Kohl. Es ist nicht das erste Treffen der beiden Politiker.

 


Frühe Unterstützung für Mandela

Bereits im Juni 1990, wenige Wochen nach seiner Freilassung aus 27-jähriger Haft, reist Nelson Mandela auf Einladung Helmut Kohls nach Bonn. Mandela, der sich jahrzehntelang gegen Rassentrennung aufgelehnt und vielen Menschen in seinem Heimatland Hoffnung gegeben hat, ist zu diesem Zeitpunkt Vizepräsident des African National Congress (ANC). Kohl zeigt sich beeindruckt von Mandelas Unbeugsamkeit und seinem Einsatz für einen friedlichen Übergang in Südafrika. Der Bundeskanzler signalisiert Unterstützung für den Reformprozess. Auch Sanktionen gegen die Regierung von Präsident Frederik Willem de Klerk werden als mögliches Druckmittel genannt. Helmut Kohl betont, die bevorstehenden Verfassungsgespräche sollten zum Ziel haben, das „System der Rassentrennung“ abzuschaffen, und allen Bürgern Südafrikas „die volle politische, wirtschaftliche und kulturelle Gleichberechtigung“ bringen.

Fortschritte auf dem Weg zur Demokratie

Drei Jahre später, im Mai 1993, besucht Mandela erneut Bonn. Im Mittelpunkt der Gespräche mit Kohl stehen die laufenden Verhandlungen über eine neue südafrikanische Verfassung. Mandela, der inzwischen Präsident des ANC ist, berichtet von Fortschritten im Demokratisierungsprozess und kündigt freie Wahlen an. Im Dezember desselben Jahres erhalten Mandela und de Klerk gemeinsam den Friedensnobelpreis für ihren Beitrag zur Überwindung der Apartheid.

Versöhnungspolitik als internationales Vorbild

1995 lädt Nelson Mandela, der zum Staatspräsidenten Südafrikas gewählt wurde, Bundeskanzler Kohl auf seinen Amtssitz nach Kapstadt ein – Ausdruck der engen persönlichen Beziehung zwischen beiden Politikern. Zum ersten Mal überhaupt besucht ein Kanzler der Bundesrepublik Deutschland Südafrika. Im Mittelpunkt der Gespräche stehen der Reformprozesses nach den ersten freien Wahlen, die wirtschaftliche Beziehungen sowie der Zugang Südafrikas zum europäischen Markt. Öffentlich hebt Kohl besonders Mandelas Versöhnungspolitik hervor, die weltweit Beachtung findet.
 


Begeisterter Empfang in Deutschland

Bei seinem Deutschlandbesuch im Mai 1996 wird Nelson Mandela gefeiert – von der Bevölkerung und auf der politischen Bühne. Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth würdigt den Friedensnobelpreisträger, der „mit seinem Leben und seinem persönlichen Beispiel für viele Menschen zu einem Symbol des Widerstands gegen Unrecht und Menschenverachtung, zum Symbol der Hoffnung für gelingendes Zusammenleben von Schwarzen und Weißen geworden ist.“  Sie bewundert „die Klarheit, innere Ruhe und Gelassenheit einer schöpferischen Disziplin, die nicht dem Ressentiment erlegen ist, sondern der ein tiefes Verständnis für die Kraft zur Versöhnung zugrunde liegt.“
 


Freiheit bleibt eine Aufgabe

In seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag dankt Nelson Mandela der Bundesregierung, dem Parlament und der deutschen Bevölkerung für deren Unterstützung im Kampf gegen die Apartheid. Zugleich verweist er auf die Herausforderungen des demokratischen Neuanfangs in Südafrika und zitiert Johann Wolfgang von Goethe:

Ja, diesem Sinne bin ich ganz ergeben,
das ist der Weisheit letzter Schluss:

Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
der täglich sie erobern muss.“
 

Deutschland als Partner des neuen Südafrika

Bei den Gesprächen mit Bundeskanzler Helmut Kohl stehen deutsche Investitionen in Südafrika, eine stärkere Zusammenarbeit im Umweltbereich  sowie die Beziehungen zur Europäischen Union im Fokus. Helmut Kohl sagt ein Handelsabkommen zwischen der EU und Südafrika zu. Die entsprechenden Verhandlungen werden 1999 abgeschlossen; das Abkommen tritt 2004 in Kraft.