Berlin würdigt Helmut Kohl

Die Helmut-Kohl-Allee in Berlin wurde am 9. Mai, dem Europatag, feierlich eingeweiht.

 

Am 9. Mai luden die Senatskanzlei, die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) und die Bundeskanzler-Helmut-Kohl-Stiftung gemeinsam zum Festakt in die KAS-Akademie: Gefeiert wurde die Umbenennung der Hofjägerallee in „Helmut-Kohl-Allee“.

„Eine große Straße für einen großen Politiker,“ lobte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner die Entscheidung, die im September 2025 getroffen worden war. Die vielbefahrene, vierspurige Allee führt auf den Großen Stern zu und liegt im Bezirk Mitte-Tiergarten, nicht aber direkt im Regierungsviertel. „Ich hätte mir einen noch prominenteren Ort vorstellen können,“ so Carsten Spallek, stellvertretender Bürgermeister des Bezirks und sprach damit aus, was viele Anwesende umtrieb.

Ein „außergewöhnlicher Mensch, ein außergewöhnlicher Politiker“ werde mit dieser Straßenbenennung geehrt, resümierte die Vorsitzende der KAS, Annegret Kramp-Karrenbauer, und zog eine Verbindung zu der nur zwei Tage zuvor erfolgten Einweihung des Margot-Friedländer-Platzes vor dem Berliner Abgeordnetenhaus: Die Holocaust-Überlebende habe aus den erlebten Schrecken die Konsequenz gezogen, sich umso mehr für Versöhnung, Freundschaft und gegenseitiges Verständnis einzusetzen; auch Helmut Kohls auf Zusammenarbeit und Integration angelegte Europapolitik habe ihren Ursprung in den für ihn prägenden Erlebnissen im Zweiten Weltkrieg.

Die Einheit Deutschlands und Berlins hatte oberste Priorität für den damaligen Bundeskanzler

Gerda Hasselfeldt, die stellvertretende Kuratoriumsvorsitzende unserer Stiftung, hob in dem anschließenden Podiumsgespräch hervor, dass Kohl schon zu seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter „ein glühender Verfechter der Stadt Berlin“ gewesen sei; nach dem Mauerfall 1989 habe für ihn „die Einheit Deutschlands und Berlins oberste Priorität“ gehabt. Frank Ebert, der Berliner Beauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, erinnerte daran, dass Helmut Kohl sich vor 1989 immer wieder „explizit für den Widerstand und die Opposition in der DDR“ stark gemacht habe. Grundvoraussetzung für die Deutsche Einheit sei zwar die Friedliche Revolution in der DDR gewesen, Kohl sei aber in der politischen Umsetzung einer der wenigen gewesen, „die die Einheit tatsächlich ernst nahmen“. Das von Sven Felix Kellerhoff moderierte Gespräch endete mit dem Appell, auch in Berlin könnten dem neuen Straßennamen weitere Ehrungen für Helmut Kohl folgen.

Neben Mitgliedern des Europäischen Parlaments, des Deutschen Bundestags und des Berliner Abgeordnetenhauses waren auch die letzte Präsidentin der DDR-Volkskammer, Sabine Bergmann-Pohl, der frühere Bürgermeister Eberhard Diepgen, der einstige Berater Helmut Kohls Horst Teltschik, Angehörige diplomatischer Vertretungen und ehemalige Bundesminister zum Festakt gekommen, der mit der feierlichen Enthüllung des neuen Straßenschilds an der Ecke Tiergartenstraße / Helmut-Kohl-Allee schloss. Während das Tuch fiel, erklang auf der anderen Straßenseite die Europahymne – beigesteuert von jungen Mitgliedern der Partei „Volt“, auf deren Plakaten für „Mehr Kohl in der EU“ geworben wurde.

Ein erster Schritt hin zu mehr öffentlicher Erinnerung an Helmut Kohl

Die Neubenennung der ehemaligen Hofjägerallee ist auch für unsere Stiftung ein erster Schritt, um die politischen Verdienste des ehemaligen Bundeskanzlers auch im öffentlichen Raum zu würdigen. Mit unserer geplanten Ausstellung zur Kanzlerschaft Helmut Kohls Unter den Linden 50 wird es in der Zukunft einer breiten Öffentlichkeit möglich sein, sich ein umfassendes Bild von dessen politischem Wirken als „Kanzler der Einheit“ und maßgeblicher Akteur der europäischen Einigung zu machen.