Die Bundeskanzler-Helmut-Kohl-Stiftung trauert um Wolfgang Bergsdorf

Prof. Dr. Wolfgang Bergsdorf *07. November 1941 (Bensberg) – † 9. Januar 2024 (Bonn)

 

Nachruf von Dr. Michael Borchard

Wolfgang Bergsdorf war ein langjähriger Wegbegleiter Helmut Kohls. Der Politikwissenschaftler wurde bereits in den 1970er Jahren als Leiter des Büros des Vorsitzenden in der CDU-Zentrale zu einem der wichtigsten Berater des späteren Bundeskanzlers. Als Leiter der Abteilung Inland im Presse- und Informationsamt der Bundesregierung gehörte Bergsdorf zum „Küchenkabinett“ des Kanzlers. Ab 1993 zog er als Leiter der Abteilung für Kultur und Medien im Bundesministerium des Inneren gemeinsam mit dem damaligen Staatsminister im Kanzleramt, Anton Pfeiffer, viele entscheidende Fäden und beriet Helmut Kohl in kulturpolitischen Fragen.  

Besonders auffällig war immer das „Doppelleben“ des Wolfgang Bergsdorf

Er war sowohl Teil des Bonner Politikbetriebes und wichtiger intellektueller Kopf im Umfeld Helmut Kohls, und er profilierte sich zugleich mit unzähligen Publikationen als Wissenschaftler und Hochschullehrer. Mit seiner Habilitation „Herrschaft und Sprache“, für die er 1984 den renommierten Theodor-Eschenburg-Preis erhielt, erarbeitete er ein wissenschaftliches Standardwerk zu den Risiken und Chancen der politischen Kommunikation.

Nachdem Bergsdorf vom Thüringer Ministerpräsidenten Bernhard Vogel im Jahr 2000 zum Präsidenten der wiederbegründeten Universität Erfurt gemacht wurde, legte er weiter Wert darauf, dass die Wissenschaft nicht im Elfenbeinturm verbleibt. So ließ ihn auch der Journalismus, der ganz am Anfang seines beruflichen Lebens gestanden hatte, zeitlebens nicht los. Bergsdorf gelang, was nur wenige vermögen: im öffentlichen Amt im Umfeld des Bundeskanzlers zu verbleiben und daneben in zahlreichen Zeitungsbeiträgen die Zeitläufte zu analysieren. 1994 wurde er zum Mitherausgeber des Rheinischen Merkur, den er mit zahlreichen eigenen Kolumnen bereicherte.

Auch als Kolumnist war sein Urteil stets pointiert und von feiner Ironie geprägt

Vor allem aber zeichnete sich seine Argumentation durch das Abwägen von Chancen und Risiken, Vor- und Nachteilen und seine Fähigkeit zur Differenzierung aus. Darin bleibt Wolfgang Bergsdorf Vorbild.